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ADHS bei Jugendlichen verstehen

  • Autorenbild: Tatjana Ricciardi
    Tatjana Ricciardi
  • 3. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Warum es nicht am Wollen liegt – sondern an Starten, Stoppen und Dranbleiben




Wichtig zu wissen

Du hast kein Problem mit Wollen.

Dein Gehirn hat ein Problem mit Starten, Stoppen und Dranbleiben.



Worum es bei ADHS wirklich geht


Das Modell von Russell A. Barkley zeigt:

ADHS ist keine Frage von Wissen oder Einsicht.


Es ist eine

Schwierigkeit mit der Selbststeuerung.




Ein Jugendlicher kann genau wissen, was zu tun wäre –

und es im entscheidenden Moment trotzdem nicht umsetzen.


Nicht aus Trotz.

Nicht aus Faulheit.

Sondern weil die innere Steuerung nicht zuverlässig greift.



Ein verständliches Bild: Bremse – Steuer – Motor


Die Bremse (Impulskontrolle)


Die Bremse hilft, innezuhalten.


Bei ADHS:

• Reaktionen kommen schneller als das Nachdenken

• Gefühle sind sofort da


→ Es fehlt die Zeit zwischen Impuls und Handlung.



Das Steuer (Selbststeuerung)


Das Steuer steht für:

• planen

• beginnen

• organisieren

• dranbleiben


Bei ADHS:

• Starten fällt schwer

• Umsetzung bricht ab


→ „Ich weiß es – aber ich mache es nicht.“



Der Motor (Motivation & Emotion)


Der Motor liefert Energie.


Bei ADHS:

• entweder Vollgas

• oder Stillstand


→ Motivation ist nicht konstant verfügbar.



Wenn Eltern „alles versuchen“ – und nichts greift


Hier liegt ein Punkt, der oft übersehen wird:


Es gibt viele Eltern, die:

• erklären

• erinnern

• motivieren

• konsequent sind

• sich wirklich bemühen


Und trotzdem verändert sich wenig.


Das führt häufig zu:

• Frustration

• Erschöpfung

• Selbstzweifeln („Was machen wir falsch?“)



Warum das passieren kann


Viele Strategien, die Eltern intuitiv einsetzen, setzen voraus, dass ein Jugendlicher:

• sich selbst steuern kann

• Motivation bewusst abrufen kann

• aus Einsicht handelt


Genau das ist bei ADHS eingeschränkt.


Das bedeutet:

Die eingesetzten Strategien greifen ins Leere – nicht, weil sie falsch sind, sondern weil sie nicht zum Problem passen.



Wenn von außen Druck kommt


Eltern hören dann oft Sätze wie:

• „Ihr müsst konsequenter sein“

• „Der ist einfach faul“

• „Da fehlt nur Disziplin“


Das hat zwei Folgen:


1. Mehr Druck im System


→ Konflikte nehmen zu

→ Beziehung leidet


2. Mehr innere Verzweiflung


→ Eltern fühlen sich inkompetent

→ Jugendliche fühlen sich falsch



Ein wichtiger Perspektivwechsel


Wenn man ADHS im Sinne von Barkley versteht, wird klar:


Nicht:

„Das Kind nutzt die Unterstützung nicht“


Sondern:

„Die Unterstützung erreicht die richtige Ebene nicht“



Warum professionelle Unterstützung oft entscheidend ist


Nicht, weil Eltern „versagen“.

Sondern weil ADHS spezifische Interventionen braucht.


Dazu gehören:

• Externalisierung (Struktur von außen)

• Anpassung von Anforderungen

• Verständnis für Timing-Probleme

• Arbeit mit Motivation und Emotion, nicht dagegen


Das ist kein intuitives Wissen.

Es muss gelernt werden.



Was Eltern entlasten kann

• Ihr seid nicht „zu weich“

• Ihr habt nicht „zu wenig gemacht“

• Mehr Druck ist selten die Lösung


Sondern:


Das System braucht andere Hebel



Was Jugendliche entlasten kann

• „Ich bin nicht faul“

• „Ich habe kein Charakterproblem“

• „Mein Gehirn funktioniert anders – und ich kann lernen, damit umzugehen“



Zusammengefasst


ADHS bedeutet:

• Probleme beim Starten

• Probleme beim Stoppen

• Probleme beim Dranbleiben


Und:


Standardstrategien greifen oft nicht – selbst wenn Eltern sich sehr bemühen.



Abschließender Gedanke


Wenn viel Einsatz auf wenig Wirkung trifft,

liegt das selten am fehlenden Willen.

Sondern daran, dass am falschen Punkt angesetzt wird.


Und genau dort beginnt echte Entlastung.

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Gedankensprungcoach Tatjana Ricciardi

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